Themenfeld:

Theorie- und Begriffsentwicklungen

127 Beiträge im Themenfeld

Von Malte Pfeiffer (2013 / 2012)

Performativität und Kulturelle Bildung

Performance ist längst nicht mehr nur ein theoretischer Begriff der Kulturwissenschaften, son­dern in Casting­-Juries und Managementetagen, bei Theaterschaffenden und SportlerInnen in aller Munde. Geprägt wurde der Begriff „performativ“ im Kontext der Sprachwissenschaft durch John Austin (1962/1979) und beschreibt dort einen zentralen Aspekt der Sprechakttheorie: Als ‚performativ‘ bezeichnete Austin sprachliche Äußerungen, die nicht rein verbal bleiben, sondern durch die gleichzeitig eine Handlung vollzogen und Wirklichkeit verändert, gar erst konstituiert wird.

Von Ulf Otto (2013 / 2012)

Mimesis

Mimesis, von altgr. μίμησις, wird seit der Renaissance mit dem lat. imitatio gleichgestellt und seit Mar­tin Opitz‘ „Buch von teutscher Poeterey“ von 1624 im Sinne von „Nachäfferey“, später dann lange als Nachahmung übersetzt. Seit den Anfängen der Moderne ist Mimesis innerhalb der ästhetischen und poetischen Theoriebildung einer nicht abreißenden Kritik ausgesetzt, die der mimetischen Bezug­nahme auf Wirklichkeit mit Forderungen nach einer autonomen und nicht­-repräsentationalen Kunst begegnet (Iser 1991).

Von Doris Schuhmacher-Chilla (2013 / 2012)

Körper – Leiblichkeit

Leiblichkeit ist ein phänomenologischer Grundbegriff, der aufs Engste mit dem Begriff der Körperlichkeit des Menschen verknüpft ist. Mit dem Begriff Leiblichkeit wird die Bedingung der Möglichkeit und Wirklichkeit gegeben, Sozialität als dem Menschen inhärente Fähigkeit zu verstehen. Diese Fähigkeit ist ambiguitär; weder über Identität noch Alterität ist vollständig zu verfügen (Meyer­-Drawe 1984).

Von Max Fuchs (2013 / 2012)

Kunstfreiheit und Kunstautonomie – Facetten einer komplexen Leitformel

Eigentlich dürfte es kein Problem bei der Betrachtung des Zusammenhangs von Kunst und Freiheit geben. Denn Artikel 5 des deutschen Grundgesetzes (GG) lautet lapidar: „Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei“. In der Auslegung dieses Artikels versteht man diesen nicht bloß als klassisches Abwehrrecht, das das bürgerliche Individuum gegen will­kürliche Eingriffe des Staates schützt, so wie es das ursprüngliche Anliegen der Grund­- und Menschenrechte in der Geschichte war.

Von Amrei Bahr (2013 / 2012)

Funktionen der Kunst

Stichwörter

Die Fragen, ob Kunstwerken Funktionen zukommen und, wenn ja, welche, stellen wichtige Fragen philosophischer Ästhetik dar. Insbesondere für die Analyse der Möglichkeiten Kultureller Bildung ist ihre Beantwortung von zentraler Bedeutung. Dazu gilt es zuerst, zu bestimmen, welche Phänomene sich überhaupt sinnvollerweise unter dem Begriff „Kunstfunktion“ subsumieren lassen.

Von Dagmar Fenner (2013 / 2012)

Ethik und Ästhetik

In der Philosophie ist das Verhältnis von Ethik und Ästhetik seit Platon Thema. Um dieses Verhältnis näher beleuchten zu können, sind zunächst die beiden Begriffe „Ethik“ und „Ästhetik“ zu klären: „Ethik“ geht zurück auf das griechische „ethos“: „Sitte, Brauch, Charakter“ und wurde bereits in der Antike von Aristoteles als Bezeichnung für eine bestimmte Art des philosophischen Denkens verwendet. Ethik ist die philosophische Disziplin, die allgemeine Prinzipien oder Beurteilungskriterien zur Bestimmung des richtigen menschlichen Handelns zu begründen sucht (vgl. Fenner 2008:5f.).

Von Ursula Brandstätter (2013 / 2012)

Ästhetische Erfahrung

So selbstverständlich der Begriff des Ästhetischen im sowohl wissenschaftlichen wie auch alltagssprachlichen Diskurs verwendet wird, so schwierig ist es, den Begriff eindeutig zu de­finieren. Etymologisch leitet er sich aus dem griechischen Wort „aisthesis“ ab und bezeichnet „sinnlich vermittelte Wahrnehmung“. Mit seiner 1750 erschienenen „Aesthetica“ verankerte Alexander Gottlieb Baumgarten den Begriff in der philosophischen Diskussion und etablierte damit das Fach Ästhetik als wissenschaftliche Disziplin.

Von Jörg Zirfas (2013 / 2012)

Die Künste und die Sinne

Die Sinne und die Künste stehen in einem komplexen Relationsverhältnis: Denn es gibt wohl keine Form der Sinnlichkeit, die nicht auch einen künstlichen und künstlerischen Charakter hat, wie es umgekehrt wohl keine Kunstform gibt, die nicht auch durch eine spezifische Form der Sinnlichkeit ausgezeichnet ist. So wie die Sinne die Welt wahrnehmen, sind sie auf Kultur und Kunst bezogen, indem sie in ihrem Bezug auf etwas achtgeben, dieses zur Erscheinung bringen, es erkennen und stilisieren.

Von Gisela Ulmann (2013 / 2012)

Kreativität und Kulturelle Bildung

Stichwörter

Statt wie üblich zu fragen, was Kreativität ist, also eine Definition zu geben, ist es wissenschaft­lich fruchtbarer, danach zu fragen, welches Forschungsproblem mit dem Begriff „Kreativität“ bezeichnet wurde, um zu verstehen, was damit gemeint ist. „Creativity“ taucht als Wort in der psychologischen Forschung zum ersten Mal 1950 in einem Vortrag von Joy Paul Guilford auf, den er als Präsident der American Psychological Association hielt. In diesem Vortrag ging es darum, dass die einseitige Sicht auf „Intelligenz“ nicht dazu beitrage, ErfinderInnen und EntdeckerInnen zu identifizieren. Um zu erfinden und zu entdecken brauche man nicht nur Intelligenz – sondern auch creativity!

Von Jürgen Oelkers (2013 / 2012)

Schule, Kultur und Pädagogik

Kultur und Bildung haben in der deutschen Literatur und Philosophie traditionell einen engen Zusammenhang (Witsch 2008). „Bildung“ ist gleichsam die subjektive Seite von „Kultur“. Gemeint ist immer die intellektuelle Hochkultur, die sich seit der Renaissance in höfischen Kontexten herausgebildet hat. „Gebildet“ konnte sich nur nennen, wer einen bestimmten Kanon beherrschte und mit seiner Person repräsentierte.